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AWD

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Allgemeiner Wirtschaftsdienst Holding AG (AWD)
Branche Finanzdienstleister
Geschäftsfelder Finanzberatung
Hauptsitz AWD-Platz 1, 30659 Hannover
Lobbybüro Deutschland
Lobbybüro EU
Webadresse http://www.awd.de

Der Allgemeine Wirtschaftsdienst (AWD) ist ein Finanzvertrieb mit Sitz in Hannover. Das Unternehmen wurde 1987 gegründet und 2007 an den Konzern Swiss Life verkauft. 2013 wurde der Name AWD aufgegeben und in SwissLife Select geändert. Die Stiftung Warentest hat bis 2006 dezidiert vor AWD-Produkten gewarnt.

Kurzdarstellung und Geschichte

Der AWD wurde 1987 von Kai Lange gegründet. 1988 stieg Carsten Maschmeyer mit 900.000 DM beim AWD ein und übernahm die Leitung des Unternehmens, nachdem er beim Finanzvertrieb OVB gekündigt hatte. Das Unternehmen sollte unabhängig von der Finanzwirtschaft beraten, hatte aber schon damals einen schlechten Ruf. Maschmeyer galt als "Aussätziger von der unbeliebten Drückerkolonne", schrieb die Financial Times Deutschland 13 Jahre später.[1].

Das Unternehmen gewann schlagartig an Seriosität, als Maschmeyer es als Vorstandsvorsitzender 2000 an die Börse brachte.[2] Notierte die Aktie zu Beginn noch bei etwa 60 Euro, sackte sie bis 2003 auf unter zehn Euro ab und pendelte sich dann bei etwa 30 Euro ein.[3] 2007 verkaufte Maschmeyer seine AWD-Anteile an den Schweizer Versicherer Swiss Life. Im März 2008 hielt Swiss Life schon über 86 Prozent der AWD-Anteile.[4]. 2009 übernahm die Swiss Holding per squeeze-out die Aktien der verbliebenen Minderheitsaktionäre für je 30 Euro.

Ende 2012 gestand die SwissLife Holding AG ein, die Geschäftsaussichten beim Kauf des AWD 2007 überschätzt zu haben. Sie senkte den immateriellen Vermögenswert vom AWD in ihren Büchern von 1,34 Millionen Euro auf 765 Millionen Euro. Während der Finanzkrise hatte der AWD sogar Verluste gemacht. Zudem führten die zahlreichen Klagen gegen den AWD zu einer Rufschädigung. Daher wurde eine neue Strategie für den Konzern vorgestellt, die u.a. die Namensänderung in SwissLife Select vorsah.[5].

Struktur, Geschäftsfelder und Finanzen

Zur AWD Holding gehören neben AWD Deutschland, tecis, Horbach und der Proventus-Gruppe auch Gesellschaften in Österreich, Tschechien, Ungarn, Polen, Slowakei, Schweiz und Großbritannien.

Strukturvertrieb

Mit dem Begriff "Drückerkolonne", der öfters im Zusammenhang mit AWD auftaucht, wird abfällig darauf angespielt, dass es sich bei dem Unternehmen um einen Strukturvertrieb handelt. Mitarbeiter werden in internen Seminaren angelernt und gerade zu Beginn der Mitarbeit setzt sich der Kundenstamm häufig aus Bekannten und Verwandten zusammen, ähnlich einem Schneeball-System.

Die Berater sollten prinzipiell Einsparmöglichkeiten der Kunden entdecken und Finanzprodukte - wie beispielsweise Versicherungen - vermitteln, wofür sie Provisionen bekommen.

Unternehmensleitung

Zurzeit ist Manfred Behrens Vorsitzender des AWD-Vorstands, er trat 2008 die Nachfolge Maschmeyers an. Er kommt aus dem Swiss Life-Konzern, für den er bereits seit 2004 arbeitet.[6]

Pressesprecher des Unternehmens ist seit 2006 der ehemalige BILD-Mitarbeiter und Regierungssprecher Bela Anda. Zuvor war er Sprecher der Regierung Gerhard Schröders, der wiederum gut mit Andas zwischenzeitlichem AWD-Vorgesetzten Carsten Maschmeyer befreundet war und ist.

Finanzen

2010 generierte AWD mit etwa 5500 Mitarbeitern einen Umsatz von 547 Millionen Euro. Nach einem Verlust von über 40 Millionen Euro im Jahr 2009 machte AWD 2010 einen Vorsteuergewinn von knapp 50 Millionen Euro.[7]

Lobbyarbeit: Struktur und Strategien

Zur Lobbyarbeit und den politischen Verbindungen von AWD siehe den Beitrag zum Firmengründer Carsten Maschmeyer.

Fallbeispiele und Kritik

Vorwurf der systematisch falschen Beratung

Der AWD steht im Verdacht, tausende Kleinanleger um ihr Erspartes gebracht zu haben,ndem er ihnen u.a. Schrottimmobilien und extrem riskante geschlossene Fonds verkaufte. Neben den Anlagestrategien gerieten auch die Verkaufspraktiken des AWD und seinen rund 1000 Mitarbeitern in die Kritik. [8]

Österreich: Sammelklagen in Millionenhöhe

2011 hatte der "Stern" enthüllt, dass die Staatsanwaltschaft Wien eine Strafuntersuchung gegen Maschmeyer und den AWD vorbereitete, wegen Verdacht auf systematischen Betrug und Gründung einer kriminellen Vereinigung. Die Strafuntersuchung folgte auf einen Antrag des Vereins für Konsumentenschutz-Information (VKI) Wien, der gleichzeitig fünf zivilrechtliche Sammelklagen im Namen von 2500 Klägerinnen und Klägern gegen den AWD führte. Der Streitwert betrug 40 Millionen Euro. Während des zweijährigen Gerichtsverfahrens, hatte der AWD immer wieder abgestritten Kunden systematisch falsch beraten zu haben. Schließlich einigten sich der VKI und die SwissLife Select, wie der AWD seit der Namensänderung 2013 heißt, auf einen Vergleich. Demnach muss die SwissLife Select sieben Millionen Euro für die geschädigten Anleger zahlen.[9]

Kritik im Internet

Zahlreiche ehemalige AWD-Mitarbeiter nutzten Internetforen und Meinungscommunities, um ihre teils negativen Erfahrungen mit dem Unternehmen mitzuteilen. Dies führte 2002 zu kuriosen Abmahnungen: So entschied das Landgericht Hamburg, das Seiten mit Namen wie awd-aussteiger.de sich wegen einer Verletzung der Namensrechte gelöscht werden müssten. "Angesichts der Vielzahl an [...] 'AWD-Firmen' [, also Firmen, sie sich mit dieser Buchstabenkombination abkürzen,] ein erstaunliches Urteil", fand das Online-Magazin telepolis und fragte: "Wem gehören eigentlich die Buchstaben A, W und D?"[10]

Im Dezember 2003 beschloss das Oberlandesgericht Hamburg, dass der Zusatz “Aussteiger” als Distanzierung ausreiche; die Einstweiligen Verfügungen wurden aufgehoben. Heute führt der Verein der ehemaligen AWD-Mitarbeiter ein entsprechendes Netzwerk weiter. [11] Auf zahlreichen anderen Portalen finden sich allerdings weiterhin Erfahrungsberichte von ehemaligen AWD-Beratern, die teils mit großen finanziellen Verlusten aus dem Unternehmen ausgeschieden sind. [12] [13]

Weiterführende Informationen

Rürups Rente - Artikel im Spiegel, Ausgabe 13/09


Aktuelle Informationen aus der Welt des Lobbyismus

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Einzelnachweise

  1. Der Drückerkönig und seine Freunde Artikel vom 12.01.2011, abgerufen über stern.de am 15.03.2011
  2. Biografie Carsten Maschmeyer auf der Homepage von MaschmeyerRürupAbgerufen am 15.03.2011
  3. AWD-AktieAktienkurs, abgerufen bei ariva.de am 15.03.2011
  4. Swiss Life hält 86,2% an AWD Pressemitteilung der Swiss Life vom 19.03.2008, abgerufen am 15.03.2011
  5. AWD heißt demnächst SwissLife Select, diepresse.com vom 28.11.2012, abgerufen am 20.11.2014
  6. AWD-Vorstand Abgerufen von awd-gruppe.de am 15.03.2011
  7. AWD: Ergebnisziele 2010 voll erreicht Pressemitteilung vom 02.03.2011, abgerufen am 15.03.2011.
  8. Der Drückerkönig und die Politik, daserste.de vom 12.01.2011, abgerufen am 18.01.2011.
  9. Sammelklagen gegen AWD, wirtschaftsblatt.at vom 12.08.2013, abgerufen am 19.11.14.
  10. Wem gehören eigentlich die Buchstaben A, W und D?, Artikel vom 29.08.2003, abgerufen am 14. März 2011.
  11. Verein der ehemaligen AWD-Mitarbeiter eV. Vereinshomepage, abgerufen am 14.03.2011
  12. Warnung vor dem Finanzdienstleister AWD!, Erfahrungsbericht vom 12.07.2005, abgerufen am 14. März 2011.
  13. Gut eingefädelter Betrug?, Erfahrungsbericht vom 17.08.2004, abgerufen am 14. März 2011.