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Version vom 12. Dezember 2012, 13:07 Uhr

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Association for the Monetary Union of Europe (AMUE)
Rechtsform
Tätigkeitsbereich Lobbying für die Europäische Währungsunion
Gründungsdatum 1987%u20132002
Hauptsitz Paris
Lobbybüro
Lobbybüro EU
Webadresse amue.org (vom Netz genommen)

Die Association for the Monetary Union of Europe (AMUE) war ein transnationale Lobbyorganisation der führenden europäischen Unternehmen und Banken (und anderen Finanzdienstleistern). Die AMUE hatte ca. 400 Mitglieder und arbeitete 15 Jahre lang für das alleinige Ziel einer erfolgreichen Verwirklichung der Europäischen Währungsunion (EWU). Sie unterhielt enge offizielle und inoffizielle Kontakte zu anderen Wirtschaftsverbänden wie dem European Round Table of Industrialists (ERT) und zur Europäischen Kommission sowie zu Beamten und Ministerien der Mitgliedsstaaten.

Ziel war es die Diskussionen um eine Europäischen Währungsunion anzuführen, um erster Anprechpartner der Politik und Medien zu sein, und um die Währungsunion unternehmens- und bankenfreundlich zu gestalten. Sie brachte maßgebliche Vorschläge zum institutionellen Rahmen der EWU ein. Als konkrete maßgebliche Lobbyerfolge der AMUE gelten die Festlegung eines verbindlichen Starttermins und Zeitplan der EWU im Vertrag von Maastricht sowie die Festlegung auf eine "single currency" gegenüber einer damals diskutierten "common currency" in der Ausgestaltung der EWU (also der Bevorzugung einer Gemeinschaftswährung, welche die nationalen Währungen ersetzt, gegenüber einer zusätzlichen europäischen Währung, die neben den nationalen fungiert und durch eine Fixierung der Wechselkurse verankert ist).[1]

Kurzdarstellung und Geschichte

Die AMUE wurde 1987 von führenden europäischen Industriellen gegründet. Es heißt es außerdem, die AMUE ist aus dem Guscard-Schmidt-Komittee für die Währungsunion (Helmut Schmidt und Valéry Giscard d%u2019Estaing) heraus gegründet worden. Sie wurde jedoch maßgeblich von den damaligen treibenden Kräften des European Round Table of Industrialists (ERT) - den Großkonzernen Fiat, Philips, Rhone-Poulenc, Solvay und Total initiiert. So war der erste Vorsitzende der AMUE auch Wisse Dekker CEO von Philips, Vorsitzender des ERT und treibende Kraft bei der Schaffung eines europäischen Binnenmarktes.[2]

Organisationsstruktur und Personal

Die Unternehmen und Banken waren direkte Mitglieder der AMUE und nicht über nationale Verbände in einem europäischen Dachverband organisiert. Im Vorstand waren Pro EU-Land zwei Mitglieder vertreten (meist die Vorstände großer Unternehmen und Banken). Bis zu 30 führende Unternehmer waren persönlich im Vorstand aktiv. Das persönliche Engagement der Unternehmer stand oft im Vordergrund und sie wurden als 'echte, progressive Europäer' dargestellt. Das Sekretariat in Paris koordinierte die interne und externe Kommunikation und hatte bis zu 15 Angestellte. Dazu gab es ca. 30 Sherpas und internationalen Manager der Mitgliedsunternehmen (Manager mit Euro-Projektverantwortung) die den Vorstand und das Sekretariat unterstützten.[3]

Verbindungen

Von Beginn an war sie als Partner bei der EU-Kommission und den Finanzministerien der Mitgliedsstaaten sehr angesehen und es fand ein reger Austausch in der Vorbereitung der Verträge zur EWU statt. Dazu Étienne Davignon (ehemaliges Vorstandsmitglied der AMUE und ehemaliger EU-Kommissions Vize-Präsident sowie u.a. EU-Kommissar für Binnenmarkt sowie Industrie): "What is significant is that we were always considered as very useful by the Commission. And also by the various member states, all of which have now set up technical groups dealing with this type of problem. They always ask representatives of the AMUE to be there."[4] Die AMUE war mit drei Vertretern (von ingesamt zwölf) auch in der Expertengruppe der EU Kommission zur Einführung des Euros als Gemeinschaftswährung repräsentiert - Verbraucherorganisationen waren dagegen nur mit einem Repräsentanten vertreten. Ein Weiteres Zitat des AMUE Generalsekretärs Bertrand de Maigret zum engen Verhältnis von AMUE und EU-Kommission: "They call us, we call them, they see us, we discuss matters. They are quite flexible. (...)"[5] Die AMUE hat sehr enge Verflechtungen und personelle Überschneidungen mit dem European Round Table of Industrialists (ERT) und wurde maßgelbich aus diesem heraus gegründet. So war der erste Vorsitzende der AMUE auch Wisse Dekker CEO von Philips, Vorsitzender des ERT und treibende Kraft bei der Schaffung eines europäischen Binnenmarktes.[6] Nach Aussage des AMUE Generalsekretärs Bertrand de Maigret versteht man das Verhältnis zwischen AMUE und ERT als freundschaftlich und arbeitsteilig: "We decided that the ERT would not work on monetary issues, and that we would. We have friendly links - a kind of division of tasks."[7]

Die AMUE trieb auch die eigene internationale Vernetzung an und organisierte u.a. Konferenzen in New York, um die europäische Einheitswährung mit amerikanischen Finanziers zu diskutieren.[8]

Insgesamt genoss die AMUE den öffentlichen Rückhalt von Sympathisanten aus Politik, Wissenschaft und anderen Verbänden.[9]

Finanzen

Die AMUE hatte ein jährliches Budet von etwa einer Million Euro. Jedoch steuerten die Mitgliedsunternehmen zusätzliche Ressourcen, wie etwa die Bereitstellung von Infrastruktur, Übernahme von Reisekosten, Kommunikationsausgaben etc. bei.[10] Etliche der Kommunikationskampagnen wurden von der EU-Kommission und den nationalen Instanzen der Euro-kommunikation ko-finanziert. In Deutschland wurden Projekte beispielsweise vom Bundespresseamt und der Aktionsgemeinschaft Euro und in Frankreich vom Europaministerium ko-finanziert.[11]

Lobbystrategien und Einfluss

Das übergeordnete Ziel war immer die bereits begonnene europäischen Währungsintegration mit einer europäischen Gemeinschaftswährung abzuschließen. Der Einfluss sollte durch eine gezielte Strukturierung des politischen Umfeldes erreicht werden, welcher zur Neudefinition und -bewertung von Politikoptionen beitragen sollte. Im Verlauf der Währungsintegration agierte sie auf verschiedenen Ebenen mit unterschiedlichen Etappenzielen sowie unterschiedlichen Strategien. In ihrern ersten Jahren bewarb sie die bereits bestehende ECU (European currency unit - von 1979 bis 1998 die Rechnungseinheit der Europäischen Gemeinschaften (EG)), konzentrierte sich allerdings bald auf die Weiterentwicklung der Europäischen Währungsintegration. Ab 1989 forcierte sie ihre Bemühungen und warb für eine einheitliche Währung (single currency)gegenüber einer damals diskutierten "common currency". Es ging also um die Frage ob die nationalen Währungen weiterhin neben einer europäischen Gemeinschaftswährung bestehen, oder durch diese vollständig ersetzt werden sollten. Aus Unternehmersicht reichte die dauerhafte Fixierung der Wechselkurse nicht aus um die Vorteile einer Währungsunion für die Industriellen zu maximieren.[12] Die AMUE übernahm so in einer noch unerfahrenen und unstrukturierten Debatte sehr detailreiche Positionen ein und konnte sich als vermeindlich legitimer Ansprechpartner für konkrete und technische Fragen der EWU positionieren. Ihr Vorschlag einer single currency und ihre Forderung nach einem verbindlichem politischen Zeitplans, fand sich 1990 dann auch in Studien der EU-Kommission, des Europäischen Rates und schießlich in den EU-Verträgen zur EWU wieder (Vertrag von Maastricht). Von Beginn an bestand hier ein stetiger und vertrauter Wissensaustausch mit der EU-Kommission. Weitere Punkte in denen die AMUE ihre Positionen in die Ausgestaltung der EWU einbringen konnte war die Rolle der Geldwertstabilität in der Währungsunion, die Gestaltung des Übergangangsszenarios (EU-Gipfel 1995 in Madrid) , die Anwendung der Konvergenzkriterien und die Bewertung des Konvergenzprozesses. Sie half des Weiteren nationale Poltiker, vor allem aus Italien, Spanien und Portugal bei den nötigen Anpassungen auf dem Weg in die EWU. Diese Punkte erscheinen aus heutiger Sicht auf die Ausgestaltung der EWU und vor dem Hintergrund der Eurokrise diskussionswürdig.[13] In der Übergangszeit der Euroeinführung konzentrierte sich die Arbeit der AMUE auf die praktische Beratung von Firmen (intern in den Mitgliedsunternehmen der AMUE sowie extern für deren Handelspartner und für die Öffentlichkeit). Mit der vollendeten Euro-Einführung im April 2002 löste sich die Organisation auf.

Die AMUE vetrat die ökonomischen Interessen seiner Mitglieder. Diese haben aus verschiedenen Gründen ein Interesse an einem europäischen Binnenmarkt und europäischen Währungsunion mit einer Gemeinschaftswährung und einem verbindlichem Zeitplan für deren Implementierung. Der wirtschaftliche Nutzen der europäischen Industriellen besteht in einer Senkung der Transaktionskosten im voll intergrierten Binnenmarkt (Wegfall von Wechselkursgebühren Verringerung von Wechselkursrisiken, ein effizienter Zahlungsverkehr, größere Preistransparenz, Liquiditätsvorteile eines größeren Finanzmarktes und den daraus resultierenden gesamtwirtschaftlichen Wachstumsimpulsen).[14] Die somit erhoffte Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Eu gegenüber den USA und Japan

Fallstudien und Kritik

Die Lobbyarbeit der AMUE zielte nicht nur auf Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung, sondern auch auf Unternehmen- und Bankenwelt sowie auf die breite Öffentlichkeit ab. Sie wurde auf den nationalen Ebenen als auch auf europäischer Ebene betrieben. Die verschiedenen Ebenen, Akteure und Adressaten der Lobbykommunikation wirkten als Multiplikatoren der Euro-freundlichen Grundaussage der Industrellen. Sie nutzte breite Reichweite ihrer Mitglieder, vor allem der Persönlichkeiten ihrer Topmanager in Medien und ihre persönlichen Beziehungen in die Politik.[15] Nach der Grundsatzentscheidungen zur EWU im Vertrag von Maastricht und beim Euro-Gipfel 1995 in Madrid, konzentrierten sich die Lobbybemühungen auf die breite Öffentlichkeit und dem Entgegenwirkung des Euro-Skeptizismus. Sie erkannte, dass trotz der europäischen politischen Zusagen das Projekt noch an den nationalen Raitifizierungsprozesen, zum Beispiel durch Widerstand gegenüber den Verpflichtungen und Konsequenzen der EWU, wie die Erfüllung der Konvergenzkriterien, scheitern konnte.[16] Nach eigenen Angaben hat die AMUE seit 1989 über 1000 Konferenzen und Seminare (oft technischer Natur) mit Beamten der Kommission und der Mitgliedsstaaten veranstaltet, wobei rund die Hälfte allein auf den Zeitraum zwischen 1996 und 1998 fiel. [17] Dabei gab es eine Fokussierung auf Länder mit starken Euro-skeptischen Strömungen. So gab es 1997 bis 1998 90 Treffen mit Vertretern des deutschen Parlaments, wovon viele auch von diesem initiert wurden. Für Deutschland gab es ein umfassendes Kommunikationsprogramm, welches sogar von der Eu-Kommission und vom Bundespresseamt mitfinanziert wurde. Dieses beinhaltete u.a. Publikationen und Euro-Konferenzen. Um die Nachricht der AMUE weit zuverbreiten arbeitete sie in Deutschland eng mit Bundestagsabgeordneten, lokalen Wirtschaftsvertretern wie den Handelskammern, der Bundesbank und politischen Stiftungen wie beispielsweise der Friedrich-Ebert-Stiftung zusammen.[18]

Weiterführende Informationen

Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 203-227. Anmerkung: Daniela Schwarzer (Stiftung Wissenschaft & Politik) und Stefan Collignon (Sant’Anna School of Advanced Studies, Pisa) sind ehemaliger Mitarbeiter der AMUE.

Corporate Europe Observatory 2003: Europe Inc. Regional & Global Restructuring & the Rise of Corporate Power S.49-57.

Einzelnachweise

  1. ↑ Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 203-227.
  2. ↑ Corporate Europe Observatory 2003: Europe Inc. Regional & Global Restructuring & the Rise of Corporate Power S. 49
  3. ↑ Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 205f.
  4. ↑ 2011 Interview mit Etienne Davignon (02/1997) zitiert aus Corporate Europe Observatory 2003: Europe Inc. Regional & Global Restructuring & the Rise of Corporate Power S. 51f.
  5. ↑ Interview mit Bertrand de Maigret, (03/1997) zitiert aus Corporate Europe Observatory 2003: Europe Inc. Regional & Global Restructuring & the Rise of Corporate Power S. 52
  6. ↑ Corporate Europe Observatory 2003: Europe Inc. Regional & Global Restructuring & the Rise of Corporate Power S. 49
  7. ↑ Interview mit Bertrand de Maigret, (03/1997) zitiert aus Corporate Europe Observatory 2003: Europe Inc. Regional & Global Restructuring & the Rise of Corporate Power S. 50
  8. ↑ Corporate Europe Observatory 2003: Europe Inc. Regional & Global Restructuring & the Rise of Corporate Power S. 50
  9. ↑ Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 204
  10. ↑ Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 213
  11. ↑ Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 212
  12. ↑ Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 205-208
  13. ↑ Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 208; 212
  14. ↑ Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 215
  15. ↑ Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 207ff.
  16. ↑ Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 209f.
  17. ↑ AMUE 'taking stock of 9 years of euro conferences' euro newsletter no 38, January/February 1999, zitiert aus Corporate Europe Observatory 2003: Europe Inc. Regional & Global Restructuring & the Rise of Corporate Power S. 51
  18. ↑ Daniela Schwarzer und Stefan Collignon: Unternehmen und Banken auf dem Weg zur Währungsunion: Die "Association for the Monetary Union of Europe" als Motor eines Transnationalen Konsenses In: R. Eising/B. Kohler-Koch (Hrsg.): Interessenpolitik in Europa 2005, S. 210f.