Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

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Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)
Hauptsitz Hannover
Gründung 1958
Tätigkeitsbereich Rohstoffwirtschaftliche und geowissen- schaftliche Beratung der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft; internationale geowissenschaftliche und technische Zusammenarbeit; geowissenschaftliche Forschung und Entwicklung
Mitarbeiter 711
Etat ca. 1,5 Mio. € Kernhaushalt, ca. 18,4 Mio € Drittmittel (2010)
Webadresse http://www.bgr.bund.de


Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung für georelevante Fragestellungen. Sie berät, unterrichtet und unterstützt die Bundesministerien und deren nachgeordnete Behörden, die Institutionen der EU und die Wirtschaft in rohstoffwirtschaftlichen Fragen, in Fragen der angewandten Geowissenschaften sowie in georelevanten Belangen des Umwelt- und Ressourcenschutzes. Weitere wesentliche Aufgaben der BGR sind die Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in internationalen geowissenschaftlichen Gremien sowie aufgabenbezogene Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich der angewandten Geowissenschaften. Für eine Kooperation mit RWE ist die BGR für die Lobbykratie-Medaille 2011 nominiert.

Inhaltsverzeichnis

Kurzdarstellung und Geschichte

1958 wurde die Bundesanstalt für Bodenforschung aus dem Bestand des Amtes für Bodenforschung in Hannover gegründet. 1971 wurde das "Seismologisches Zentralobservatorium Gräfenberg" in Erlangen als Außenstelle übernommen. Seit 1975 trägt die Institution den Namen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. 1990 wurde eine Außenstelle in Berlin gegründet, die seit 1997 als Dienstbereich organisatorisch in die Fachabteilungen integriert ist.[1]

Organisationsstruktur und Personal

Die BGR ist eine Fachbehörde des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und handelt dementsprechend in seinem Auftag.[2] Zusammen mit dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie und dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik ist es Bestandteil des Geo­zen­trums Han­no­ver. [3]

Geleitet wird die BGR von Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel (stand Oktober 2011).[4]

In seinem Kuratorium finden sich Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft, wobei rund ein Drittel der Mitglieder der Wirtschaft angehört. [5]


Fallstudien und Kritik

Kooperation mit RWE bei CO2-Abscheidung

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist eine wichtige Beraterin der Bundesregierung bei der Risikobewertung der CCS-Technologie. Das Kürzel CCS steht für "Carbon Dioxide Capture and Storage". Gemeint ist damit die Abscheidung und dauerhafte Speicherung von Kohlendioxid, das bei der Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern und bei industriellen Prozessen wie der Stahlproduktion anfällt.

Wegen Sicherheitsbedenken und der hohen Kosten ist CCS sehr umstritten. Zu den Befürwortern gehören die großen Energieversorger. Darunter auch das Unternehmen RWE, welches der BGR anbot, zwei zusätzliche Mitarbeiterstellen für das Projekt „Stability“ zu finanzieren.[6] Mit dem Projekt sollten weitreichende Regeln für die Auswahl und Sicherung von CCS-Lagerstätten entwickelt werden.

www.lobbykratie-medaille.de

Für die Lobbykratie-
Medaille 2011 nominiert
lobbykratie-medaille.de

Besetzt wurden die Stellen mit externen Experten, der früheren Greenpeace-Aktivistin und RWE-Kritikerin Gabriele von Goerne, die inzwischen als Beraterin zur CO2-Speicherung arbeitet[7], und dem wissenschaftlicher Mitarbeiter Falk Weinlich vom Institut für Erdöl- und Erdgastechnik der TU Clausthal, welches in Forschung und Lehre mit RWE zusammenarbeitet.[8]

Während der Projektlaufzeit war für Externe nicht immer erkenntlich, dass die Arbeit der beiden von RWE finanziert wurde. Für externe Mitarbeiter regelt seit 2008 eine Verwaltungsvorschrift des Bundes, dass diese nicht in Bereichen eingesetzt werden dürfen, die die finanziellen Stellen der entsendeten Stellen betreffen und dass deren Status als externe Mitarbeiter nach außen hin erkennbar sein muss.[9] Bei den beiden Mitarbeitern handelte es sich nicht um externe Mitarbeiter, aber die Problematik ist ähnlich: es ging nicht nur um ein Forschungsprojekt, sondern um die Entwicklung von Kriterien für öffentliche Regelwerke.

Die Stellungnahmen der BGR zu diesem Vorgang sind lückenhaft und widersprüchlich. In einem Projektbericht vom August 2010 wird die eigene Neutralität unterstrichen und betont, RWE habe "keine Zwischenergebnisse während der Durchführung erhalten".[10] In der Antwort auf eine Presseanfrage heißt es dagegen: "Das Unternehmen ist per Zwischenbericht über vorläufige Ergebnisse informiert worden." Der Kooperationsvertrag mit RWE sei aber bereits im Jahr 2009 wieder gekündigt worden, "um konstruierbare Interessenkonflikte zu vermeiden". Zugleich räumte er ein, dass die BGR heute noch an CCS-Projekten beteiligt sei, die von Energieunternehmen mitfinanziert werden, und dass man sich auch in Zukunft Personal von der Privatwirtschaft bezahlen lassen wolle.[11]

Für diesen Fall ist die BGR zusammen mit RWE für die Lobbykratie-Medaille von LobbyControl nominiert.

Weiterführende Informationen

Einzelnachweise

  1. Geschichte der BGR www.bgr.bund.de letzter Zugriff 28.10.2011
  2. BMZ www.bmz.de letzter Zugriff 28.10.2011
  3. Geozentrum Hannover www.geozentrum-hannover.de letzter ZUgriff 28.10.2011
  4. BGR Amtsleitung www.bgr.bund.de letzter Zugriff 31.10.2011
  5. Kuratorium www.bgr.bund.de letzter Zugriff
  6. Stability-Abschlussbericht Seite 10, letzter Zugriff 31.10.2011
  7. Leistungsspektrum, Webseite von Gabriele Goerne, abgerufen am 1.11.11
  8. Partner und Sponsoren, Webseite des Instituts für Erdöl- und Erdgastechnik TU Clausthal, abgerufen am 1.11.11
  9. Verwaltungsvorschriften letzter Zugriff 28.10.2011
  10. Vorschläge zur Erstellung von Richtlinien für die CO2-Speicherung - Bericht (2010), BGR-Webseite, abgerufen am 1.11.11
  11. Stellungnahme liegt LobbyControl vor
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